Kurz nach dem zweiten Weltkrieg wurde mit Freiwilligen und Arbeitslosen eine Rennbahn in die gemeindliche Kiesgrube gebaut. In dieser Zeit hatte nicht nur jeder seine eigenen Probleme, es war auch äußerst schwer Genehmigungen (wegen Treibstoffknappheit usw.) für Motorsport-Veranstaltungen zu bekommen. Die Zeit war noch nicht reif, und so löste sich der „bisherige Motorsportclub“ letztendlich wieder auf.

 

Nach längeren Bestrebungen war es am 13. März 1962 endlich soweit. Etwa dreißig Gründungsmitglieder trafen sich im Café Riermeier zur Neugründung eines Motor-sportclubs. Xaver Ziegler, der sich um den örtlichen Motorsport bereits einige Verdienste erworben hat, begrüßte die Anwesenden und betonte, es gehe nun darum, den Rennsport in Pocking und damit im unteren Rottal wieder zu organisieren. Auch Bürgermeister Schönbauer erklärte dazu, dass es ein besonderes Anliegen der Gemeinde sei, wieder einen eigenen Motorsportclub zur Durchführung von Rennveranstaltungen zu bekommen. Hans Riermeier ergänzte die Ausführungen dahingehend, dass der neu zu gründende Club einem Dachverband angehören müsse, wenn überhaupt an die Durchführung von Sandbahnrennen gedacht sei. Die Gründungs-mitglieder entschieden sich einstimmig für den Anschluss an den DMV. Der Monatsbeitrag wurde auf eine Mark festgelegt und nach Verlesung der Mustersatzung die Wahl des neuen Vorstandes vorgenommen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Hans Riermeier gewählt. August Huber, Hans Epple, Willi Wenig und Josef Neulinger vervollständigten die Vorstandschaft. Xaver Ziegler ist es in der Hauptsache zu verdanken, dass bereits wenige Monate später, am 16. Juni 1962, wieder ein Sandbahnrennen im Rottalstadion durchgeführt werden konnte.

 

„Der junge MSC Pocking bestand die erste Bewährungs-probe“, so titelte die Passauer Neue Presse in ihrer Montag-Ausgabe. 10.000 begeisterte Zuschauer erlebten einen überlegenen Sieg von Alfred Aberl. Zuschauerzahlen in dieser Größenordnung und noch höher waren die nächsten Jahre für den MSC Pocking üblich, wobei man festhalten muss, dass sich dort auch jährlich die Weltelite der Bahnfahrer ein Stelldichein gab. Namen wie Hofmeister, Seidl, Briggs, Ödegard, Poschenrieder, Don Godden, aber auch die Elite der Seitenwagenfahrer, waren Dauergäste im Rottalstadion.

Im März 1967 wurde Georg Traunspurger zum neuen Vorsitzenden gewählt. Wenige Tage später, am Oster-sonntag, erlebte das Rottalstadion mit 22.000 Besuchern einen neuen Zuschauerrekord. Ähnliche Zuschauerzahlen waren in den nächsten Jahren keine Ausnahme, doch Georg Traunspurger erkannte bereits frühzeitig, dass der MSC eine Speedwaybahn benötigt, um auch Weltmeister-schaftsläufe durchführen zu können (die damalige Sandbahn mit einer Länge von 760 m war für Prädikatsläufe nicht zugelassen). Große Unterstützung erhielt er dabei von Bürgermeister Franz Krah und Landrat Baptist Kitzlinger. Nur wenige Tage nach dem Osterrennen 1974 wurde mit dem Umbau in eine Speedwaybahn begonnen. Am 30. März 1975 (Ostersonntag) war es soweit. Zum ersten Mal drehten die Speedway-Profis im Rottalstadion ihre Runden. Mit den Nationalmannschaften aus Polen, der UdSSR, Schweden und Deutschland wurde die Speedwayanlage sportlich eingeweiht. Zu dieser Zeit war es fast unmöglich die Nationalteams der Ostblock-staaten auf westlichen Bahnen an den Start zu bekommen, aber Georg Traunspurgers gute Beziehungen zu den entscheidenden Stellen ermöglichte vieles, so auch hochrangige Weltmeisterschaftsläufe nach Pocking zu bringen. In den nächsten Jahren ging der MSC Pocking auch mit einer eigenen Mannschaft in der Speedway-Bundesliga an den Start. Eine weitere Aufwertung des Rottalstadions wurde durch den Einbau einer fernseh-tauglichen Flutlichtanlage zwischen 1994/95 erzielt

 

Die schwierigste Zeit musste der MSC Pocking ab der Jahrtausendwende überstehen. Eine Anwohnerin klagte wegen übermäßigen Lärms und legte die Aktivitäten des Vereins fast vollständig lahm. Dem unnachgiebigen Handeln von Rudi Riermeier, Martin Hüttinger und Bürgermeister Franz Krah ist es zu verdanken, dass diese Zeit überbrückt werden konnte. Nach jahrelangem Rechtsstreit erhielt der MSC im Jahre 2015 endgültig vor Gericht recht und kann sich nun wieder dem ordentlichen Rennbetrieb widmen.                                   Manfred Hirsch

 

Einige Höhepunkte in der Vereinsgeschichte:

1977  WM-Semifinale der Paare

1978  Halbfinale zur Einzelweltmeisterschaft

1979  Kontinentalfinale

1980 + 1982  Junioren Europafinale

1983  Kontinental-Halbfinale

1984  Kontinentalfinale der Mannschaften

1986  Best-Pair WM-Finale

1993  letztes Einzel-Weltfinale ( von da an im GP-System ausgetragen)

1996 + 1998 Grand Prix

 

Bildbeschreibung von oben links:

Sandbahnstadion so etwa um 1964

Fotos der mittleren Reihe sind alles Aufnahmen vom Jahr 1964. Im oberen Foto beachtenswert die Rennmaschinen mit den NSU-Motoren. Das untere Foto zeigt die damals legendären BMW-Seitenwagen.

Links eine Luftaufnahme beim WM-Finale 1993.

Chronik des MSC

Motorsport-Club Pocking e.V. im DMV

94055 Pocking

Telefon: 08531 - 8383

Telefax: 08531 - 91 47 33

info@msc-pocking.de